Nachlass

Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de

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Zunächst: das Erbrecht regelt, wer erbt und wie der Nachlass zwischen der überlebenden Ehefrau bzw. dem überlebenden Ehemann und den übrigen Erbinnen und Erben geteilt wird. Statistisch gesehen sorgen nur wenige für die Zeit nach dem Tod vor, so empfiehlt das rheinland-pfälzische Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen sich spätestens beim Erwerb von Vermögensgegenständen (beispielsweise dem Erwerb einer Immobilie) mit dieser Frage zu beschäftigen. Für den Inhalt dieses Textes übernehmen wir keine Garantie. Der Inhalt dieses Textes ersetzt in keinem Fall die fachliche Rechtsberatung durch einen Notar oder Rechtsanwalt.

Was ist der Nachlass?

Das gesamte Vermögen einer verstorbenen Person einschließlich der Schulden geht auf die Erbinnen und Erben über. Dieses Vermögen, der sogenannte Nachlass, gehört zunächst allen Erbenden gemeinsam. Diese können grundsätzlich nur gemeinsam über den Nachlass verfügen und bilden eine Erbengemeinschaft. Zur Beendigung der Erbengemeinschaft und der Verteilung des Nachlasses ist die Erbauseinandersetzung erforderlich. Diese ist grundsätzlich Sache der Erben.

Wer erbt wie viel?

Wird die Ehe durch den Tod Ihres Ehepartners beendet, stellt sich die Frage, inwieweit Sie Erbe geworden sind.
Ist kein Testament vorhanden, haben Sie als Ehegatte auf alle Fälle ein gesetzliches Erbrecht. Dessen Höhe hängt davon ab, welcher Güterstand in der Ehe gegolten hat, ob es gemeinsame Kinder gibt und inwieweit Verwandte des verstorbenen Ehegatten vorhanden sind. Dabei muss man wissen, dass nicht alle Verwandte in gleicher Weise erbberechtigt sind. Das Gesetz teilt sie in verschiedene Ordnungen ein und bestimmt gleichzeitig eine Reihenfolge. Sind Verwandte aus einer vorhergehenden Ordnung noch am Leben, schließen diese alle Erben einer ferneren Ordnung aus.

Erben der ersten Ordnung sind die Abkömmlinge des Verstorbenen, also seine Kinder (auch die nichtehelichen Kinder), Enkel usw.

Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern des Erblassers; leben Vater oder Mutter nicht mehr, so treten an deren Stelle die Abkömmlinge, also die Geschwister. Wenn diese nicht mehr leben, ggf. Nichten und Neffen.

Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Verstorbenen und deren Abkömmlinge.

Für den Regelfall, dass Sie mit Ihrem Ehegatten im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt haben, bedeutet dies Folgendes: sind gemeinsame Kinder vorhanden, erben Sie zur Hälfte. Sind keine Kinder vorhanden, lebt aber ein Elternteil des Verstorbenen noch, erben Sie als Ehegatte 3/4. Das Gleiche gilt, wenn kein Elternteil mehr lebt, aber Abkömmlinge des Elternteils, also Geschwister des Verstorbenen bzw. deren Abkömmlinge.

Es ist also nicht so, dass ein Ehegatte bei kinderlosen Ehepaaren Alleinerbe wird. Als überlebender Ehegatte erben Sie – wenn es kein anderslauterndes Testament gibt – nur dann allein, wenn weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden sind.

Das Zusammentreffen mehrerer Erben kann zu Problemen führen, Denn der Nachlass des Verstorbenen – also sein gesamtes Vermögen einschließlich der Schulden – geht auf alle Erbinnen und Erben zusammen über. Diese bilden eine Erbgemeinschaft und können grundsätzlich nur gemeinsam handeln, was eventuell zu Streit führen kann. Bedeutend einfacher ist es, wenn Sie mit einem Testament alles regeln.

Was ist ein Testament?

Mit einem Testament haben Sie die Möglichkeit, Ihren Nachlass ggf. abweichend von der gesetzlichen Erbfolge zu verteilen. Auch Personen, die sonst nicht erbberechtigt wären, können Sie so begünstigen.

Sie können Ihr Testament bei einer Notarin oder einem Notar errichten. Daneben besteht die Möglichkeit des privatschriftlichen Testaments. Hier gelten strenge Formfordernisse, bei deren Nichtbeachtung das Testament ungültig sein kann. Das privatschriftliche Testament muss von Ihnen von Anfang bis Ende eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein. Die Unterschrift soll mit Vor – und Zunamen erfolgen. Es ist empfehlenswert, Ort und Datum handschriftlich mit anzugeben.

Für die Gültigkeit eines Testaments gibt es keine Vorschriften zur Aufbewahrung. Sie können das Testament zu Hause, bei einer Vertrauensperson oder dem Amtsgericht hinterlegen.

 
Was ist ein Erbvertrag?

Der Erbvertrag ist eine weitere Möglichkeit, über die Verteilung Ihres Nachlasses abweichend von der gesetzlichen Erbfolge zu entscheiden. Er wird zwischen zwei oder mehreren Personen geschlossen und legt verbindlich fest, wer von den beteiligten Personen was erbt, wenn eine der Vertragsparteien stirbt. Als Eheleute können Sie sich mit einem Erbvertrag gegenseitig begünstigen.

Der wesentliche Unterschied zum Testament ist, dass Sie sich als Erblasser gegenüber Ihren Vertragspartnern rechtlich binden. Eine Änderung oder Aufhebung des Erbvertrages ist nur möglich, wenn alle am Vertrag beteiligten Personen zustimmen. Damit ein Erbvertrag gültig ist, müssen Sie ihn persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit aller Vertragspartner vor einer Notarin oder einem Notar schließen.

Die Errichtung eines Erbvertrags oder eines notariellen Testaments erscheint Ihnen im ersten Moment komplizierter als die Errichtung eines privatschriftlichen Testaments. Jedoch ist es empfehlenswert, sich rechtliche Beratung einzuholen und offene Fragen und sonstige Unklarheiten zu klären.